Das Netzwerk

Das Kieler Netzwerk gegen Kinderarmut ist 2007 von diversen Vertretern aus Politik, Verwaltung, gemeinnützigen Organisationen und Verbänden gegründet worden. Das Netzwerk ist offen für alle Akteure, die sich gegen die Folgen von Kinderarmut engagieren. In Absprache mit der Steuerungsgruppe sowie in enger Zusammenarbeit mit den Aktiven Netzwerkakteuren übernimmt die Geschäftsführung die Organisation, Koordination sowie Öffentlichkeitsarbeit des Kieler Netzwerkes gegen Kinderarmut.

10 Jahre Kieler Netzwerk gegen Kinderarmut:
Was ist zu tun?

  • Kieler Netzwerk zog auf Veranstaltung im Legienhof positive Bilanz der vergangenen zehn Jahre
  • Ziele für die Zukunft sind u. a. kostenloses Busticket für Kinder, kostenfreie Mahlzeiten in Schulen, Kitas und Krippen sowie kostenfreie Kinderbetreuung für unter Sechsjährige
  • (Kinder-)Armut in Kiel in Zahlen: Jedes dritte Kind ist von Armut betroffen

Vor zehn Jahren gründeten der Deutsche Rote Kreuz Kreisverband Kiel e.V. gemeinsam mit Partnern von lokalen Wohlfahrtsorganisationen, Parteien und kirchlichen Einrichtungen das Kieler Netzwerk gegen Kinderarmut. Seitdem setzt sich dieses Netzwerk für in Armut lebende Kinder, Jugendliche und Familien in Kiel ein. Jedem Kind bessere Ausgangsbedingungen für sein Leben zu ermöglichen, ist eines der Hauptziele des Kieler Netzwerks. Auf der Veranstaltung KINDERARMUT IN KIEL – WAS IST ZU TUN? im Legienhof wies Netzwerkkoordinatorin Anke Thomsen auf ein übergeordnetes Ziel hin: „Alles beginnt mit dem Respekt vor den in Armut lebenden Menschen.“ 

 

Zu den Erfolgen des Kieler Netzwerks gegen Kinderarmut zählen

  • Aktionen, um die Öffentlichkeit auf das Thema Kinderarmut aufmerksam zu machen, zum Beispiel beim Weltkindertag,

  • gezielte Fort- und Weiterbildung für pädagogisches Fachpersonal,

  • die Entwicklung von die Angeboten wie www.kiel4nix.de,

  • die Unterstützung des Projekts „Kids in die Clubs“,

  • die Gründung des „KIELER Spendenparlaments“ sowie

  • die Veranstaltung von bisher sechs Armutskonferenzen.

Auch für die Zukunft hat sich das Netzwerk gegen Kinderarmut viel vorgenommen: Die Verhinderung und Bekämpfung von Kinderarmut erfordert nicht nur materielle Unterstützung, es bedarf auch ein differenziertes und bereichsübergreifendes Vorgehen mit gezielten, miteinander verzahnten Maßnahmen – am besten im Rahmen einer konzentrierten Aktion. Das Netzwerk fordert die Landeshauptstadt auf, einen „Aktionsplan gegen Kinderarmut“ ins Leben zu rufen. „Gleiche Chancen sind ein Recht für Kinder. Jedes Kind sollte die Möglichkeit haben, seine Fähigkeiten zu entfalten, einigermaßen gesund aufzuwachsen und ausreichend ernährt zu sein. Dazu müssen wir uns bekennen und keine Anstrengungen scheuen, denn Kinder können selbst nichts an ihrer Situation verändern. Sie brauchen unsere Hilfe!“, so die Netzwerkkoordinatorin.

Marion Muerköster, Leiterin des Jugendamts Kiel stellte im Legienhof neueste Zahlen, Daten und Fakten zur Kinderarmut 2018 in der Landeshauptstadt vor: Laut aktueller Bertelsmann-Studie lebt mehr als die Hälfte der Kinder in Deutschland über drei Jahren in materieller, sogenannter verfestigter Armut. In Kiel hat fast jedes dritte Kind hat Anspruch auf Sozialgeld (30,1 Prozent). Zu den Armuts-Risikogruppen zählen Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Familien mit Migrationshintergrund und Menschen mit geringer Bildung bzw. Berufsqualifizierung.

Wenn von Kinderarmut gesprochen wird, geht es allerdings nicht allein ums Geld: Eine weitere Definition von Armut orientiert sich stärker an Lebenslagen. Sie betrachtet Armutsindikatoren, wie beispielsweise Bildungsbenachteiligung, emotionale Vernachlässigung und fehlende Werte. „Armut belastet Körper und Seele, Armut grenzt aus und Armut macht krank“, bringt Anke Thomsen es für das Kieler Netzwerk gegen Kinderarmut auf den Punkt. Als in „relativer Armut“ lebende Menschen werden in Deutschland diejenigen bezeichnet, die weniger als 60 Prozent des nationalen mittleren Netto-Einkommens zur Verfügung hat. Demnach liegt die Armutsschwelle für Alleinerziehende mit einem Kind unter 14 Jahren bei 1.225 Euro und mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 1.507 Euro. Bei einem Paar mit einem Kind unter 14 Jahren sind es 1.696 Euro oder weniger, bei einem Paar mit zwei Kindern unter 14 rund 1.978 Euro.

„Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, das, was wir erreicht haben, auch für die Zukunft zu sichern. Darüber hinaus sollten wir noch stärker vernetzt miteinander arbeiten und Konzepte für besondere Lebenslagen und Lebensräume noch besser anpassen und ausbauen“, sagte Marion Muerköster zu den übergeordneten Zielen des Netzwerks. Auf der Veranstaltung im Legienhof sprach Anne Lütkes, ehemalige stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Schleswig-Holstein sowie Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Grünen Fraktion, in einem Vortrag darüber, dass für die Bekämpfung der Kinderarmut veränderte politische Rahmenbedingungen unabdingbar sind. Im Anschluss an ihren Vortrag stellten sich die Politiker Christoph Krieger (Ratsfraktion-BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Volkard Hanns (SPD-Ratsfraktion), Jan Wohlfahrt (CDU-Ratsfraktion), Stefan Rudau (Ratsfraktion – DIE LINKE), Dr. Ingmar Soll (FDP-Ratsfraktion), Susanna Swoboda (SSW-Ratsfraktion) sowie Prof. Dr. Kai Marquardsen (Lehrgebiet „Armut und soziale Ungleichheit im Kontext der Sozialen Arbeit“, Fachhochschule Kiel) und Pastorin Ragni Mahajan (Sozialkirche St. Matthäus, Gaarden) den Fragen von Moderator Carsten Kock.


Weitere Informationen bei der Koordinatorin des Netzwerks Anke Thomsen unter Telefon 0431-59008-948 oder E-Mail thomsen@--no-spam--drk-kiel.de.

 

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