Kinderarmut in Kiel

Per 30.12.2015 leben in Kiel 30,4%, d.h. fast jedes dritte Kind unter 15 Jahren von Sozialgeld. Hinzu kommen zahlreiche Kinder aus Familien, die mit prekären Arbeitsbedingungen, Wohngeldbezügen, gesundheitlichen und psychischen Problemen oder anderen Belastungssituationen konfrontiert sind. Damit ist Kiel eine Stadt mit einer überdurchschnittlichen hohen Kinderarmut (Bundesrepublik durchschnittlich: 17,6%). Die Armutsdichte in den Kieler Sozialzentren sehen sie auf der linken Stadtkarte.

Armutsgrenzen

Der Rat der Europäischen Gemeinschaft definiert Armut wie folgt: Personen, Familien und Gruppen gelten als arm, die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist. Arm ist, wer über weniger als 60% des mittleren Netto-Einkommens verfügt.

60% des mittleren Netto-Haushaltseinkommen bedeuten für:

Alleinerziehend mit einem Kind€ 1.192,-
Alleinerziehende mit zwei Kindern€ 1.467,-
Paar mit einem Kind € 1.651,-
Paar mit zwei Kindern€ 1.926,-


Quelle: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2014

In Kiel bezieht sich Kinderarmut auf die Anzahl der Kinder unter 15 Jahren, die von Sozialgeld leben. Zahlen zum Einkommen aller Haushalte in Kiel liegen nicht vor. Daher kann keine Aussage dazu gemacht werden, wie hoch der Anteil der Kinder ist, deren Eltern über weniger als 60% des Durchschnittseinkommens verfügen. Dieser wird aber nicht unerheblich hoch sein!

 

Folgen von Kinderarmut

Kinderarmut beeinträchtigt das Aufwachsen von Kindern meist massiv. Kinderarmut bedeutet nicht nur materielle Knappheit, sondern oft auch:

  • fehlende Bildungschancen
  • schlechtere Berufsperspektiven
  • weniger kulturelle und sportliche Teilhabe
  • schlechterer Gesundheitszustand
  • weniger soziale Kontakte
  • mehr Ängste
  • negativeres Selbstbild

 

 

Ursachen

Das Armutsrisiko von Kindern ist eng verbunden mit der Beschäftigungssituation der Eltern. Das größte Armutsrisiko tragen Kinder, deren Eltern nicht oder nur geringfügig beschäftigt sind.

Folgende Hauptursachen begründen Kinderarmut:

  • Erwerbsprobleme der Eltern
    - Arbeitslosigkeit
    - Niedrigeinkommen
    - Teilzeitbeschäftigung
    - Geringe Bildung
  • Soziale Probleme der Eltern
    - Scheidung/Trennung
    - Krankheit
    - Überschuldung

 

 

Risikogruppen

Das Risiko für Kinder und Jugendliche, von Armut betroffen zu sein, hängt stark vom Familientyp ab. Das höchste Armutsrisiko besteht mit rund 40 % in Alleinerziehendenhaushalten. Hier leben rund 800.000 armutsgefährdete Kinder und Jugendliche, das entspricht rund einem Drittel aller armutsgefährdeten Minderjährigen.

Diese weit überdurchschnittliche Betroffenheit ist – trotz besonderer öffentlicher Förderung von Alleinerziehenden – unmittelbar plausibel, da in diesen Haushalten nur eine Person erwerbstätig sein kann und dies aufgrund der derzeit gegebenen Betreuungssituation zumeist nur eingeschränkt. Abgesehen von Ausnahmefällen, in denen das Kind hohe Unterhaltszahlungen erhält, ist in diesen Fällen relative Armut nahe liegend.

Weiterhin sind folgende Familien besonders stark von Armut betroffen:

  • Menschen mit geringer Bildung und Berufsqualifikation
  • Familien mit Migrationshintergrund, Flüchtlinge, Einwanderer
  • Kinderreiche Familien 

 

 

Entwicklung in Kiel

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2010 2012 20142016
Nord 12,7% 11,0% 12,3%14,4%
Mettenhof 56,5% 56,8%56,8%61,8%
Mitte 21,6% 18,5% 17,6%13,7%
Süd 19,6% 19,3%19,5%20,0%
Gaarden 59,2% 60,2% 61,6%56,5%
Ost 40,7% 40,9% 41,3%39,6%
Gesamt 29,6% 29,1% 29,6%29,7%
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